Als Ernährungsberaterin begegne ich immer wieder Aussagen zu Magensäure, Vitamin B12, allgemeinem Nährstoffmangel bis hin zum Helicobacter pylori, die viele Menschen verunsichern. Die folgenden Gedanken beruhen auf meinem fachlichen Wissen und Verständnis, meiner praktischen Erfahrung und meinen Beobachtungen im Alltag.
In der heutigen Informationsflut fällt es oft schwer, den Überblick zu behalten. Dabei ist vieles weniger kompliziert, als es uns vermittelt wird oder wie wir es manchmal wahrnehmen. Oft können bereits einfache Zusammenhänge und kleine Veränderungen einen wertvollen Beitrag für unsere Gesundheit leisten. Deshalb möchte ich mit diesem Artikel diese Themen verständlich beleuchten und Hintergründe nachvollziehbar erklären. Mein Ziel ist es, Wissen und Verständnis zu vermitteln. Nicht fertige Antworten vorzugeben. Denn wer die Hintergründe versteht, kann Informationen besser einordnen, Zusammenhänge erkennen und selbstbestimmte Entscheidungen für die eigene Gesundheit treffen.
Mein Wunsch ist, Sie mit diesen Zeilen mitzunehmen, zu inspirieren, Sie in Ihrer Selbstbestimmung und Eigenverantwortung zu stärken sowie einige Aha-Momente, Zuversicht, Ideen und Freude zu schenken. Damit die folgenden Erklärungen greifbarer werden, werfen wir zunächst einen Blick auf den Aufbau des Magens sowie auf die Aufgaben seiner wichtigsten Bereiche. Dies erleichtert das Verständnis der nachfolgend beschriebenen Zusammenhänge.
Schematische Darstellung des Magens
Der Magen ist mit mehreren Organen funktionell und anatomisch verbunden. Je nachdem, ob man die westliche Medizin oder die Traditionelle Chinesische Medizin betrachtet, wird der Zusammenhang etwas unterschiedlich erklärt.
Aus westlich-medizinischer Sicht arbeitet der Magen eng zusammen mit:
- Mund, Speiseröhre, Darm, Leber, Gallenblase, Bauchspeicheldrüse (Pankreas) sowie dem Nervensystem. Besonders der Vagusnerv (Beruhigungsnerv) beeinflusst Verdauung, Stressreaktion und Magenbewegung.
- Auch das Gehirn ist eng beteiligt. Besonders Stress, Emotionen und Anspannung können direkt auf den Magen wirken.
Seine Hauptaufgaben sind die vorübergehende Speicherung des gegessenen, die Vor- und Verdauung von Eiweiss, das Desinfizieren, Mischen und Transportieren der Nahrung.
Der Magen schützt vor Krankheitserregern mit seiner starken Magensäure und verarbeitet unsere Nahrung wie eine kleine Chemiefabrik in verwertbare Bausteine.
Grober Einblick in den Verdauungstrakt:
Der menschliche Verdauungstrakt ist insgesamt etwa 8 bis 10 Meter lang und verteilt sich auf folgende Abschnitte:
- Speiseröhre: ca. 25–30 cm
- Magen: etwa 20–30 cm (stark dehnbar)
- Dünndarm: rund 5–7 Meter
- Dickdarm: etwa 1,5–2 Meter
Die Flexibilität des Magens ist beachtlich. Seine Grösse und Fassungsvermögen hängen von der Zufuhr ab
Fassungsvermögen:
Der Magen ist ein Muskelorgan und passt sich regelmässig an
- Normal: etwa 1 bis 1,5 Liter
- Gut gedehnt: bis etwa 2–3 Liter sind möglich. Er kann sich deutlich ausdehnen und eine eher „sackartige“ Form annehmen
Lage und Aufbau des Magens
Der Magen liegt im oberen Bauchbereich, überwiegend links von der Körpermitte. Seine Magenwand besteht aus kräftigen Muskelschichten mit längs, ringförmig und schräg verlaufenden Muskelfasern.
Eine dünne Membran, die sogenannte Serosa, überzieht die äussere Wand des Magens. Von innen ist der Magen mit einer Schleimhaut ausgekleidet, deren Oberfläche stark gefaltet ist und zahlreiche Drüsen sowie kleine Magengrübchen aufweist.
Eine Bindegewebsschicht mit Blutgefässen verbindet die Schleimhaut mit dem Muskelgewebe. Der Eingang der Speiseröhre in den Magen wird als Magenmund (Cardia) bezeichnet. Daran schliessen sich der obere Magenabschnitt (Fundus), der mittlere Magenkörper (Korpus) und der untere Magenabschnitt (Antrum) an. In diesen Abschnitten wird die Nahrung mit Magensäure und Enzymen vermischt. Der Magenausgang (Pylorus) bildet den Übergang vom Magen zum Zwölffingerdarm.
Die ringförmigen Schliessmuskeln an der Cardia und am Pylorus nennt man Sphinkter. Der Sphinkter an der Cardia verhindert den Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre und schützt so vor Sodbrennen. Der Pylorus hingegen kontrolliert die Magenentleerung, indem er den Nahrungsbrei portionsweise in den Zwölffingerdarm abgibt.
In der Magenschleimhaut selbst produziert das Magendrüsensystem den stark sauren Magensaft (Succus gastricus). Dieser besteht aus Salzsäure, Schleim, Enzymen (insbesondere Pepsin) und dem Intrinsic Factor, der für die Aufnahme von Vitamin B12 wichtig ist.
Die verschiedenen Zelltypen der Magenschleimhaut haben dabei spezifische Aufgaben:
- Die Belegzellen (Parietalzellen) produzieren die Salzsäure sowie den Intrinsic Factor, der für den Transport und die Aufnahme von Vitamin B12 im Dünndarm notwendig ist. Zudem geben sie Bicarbonat an das Blut ab, was zum Säure-Basen-Gleichgewicht beiträgt und die Pufferfunktion des Blutes absichert.
- Die Salzsäure aktiviert Enzyme, tötet Bakterien ab und denaturiert Eiweisse.
- Das Enzym Pepsin sorgt für die erste grobe Spaltung der tierischen Eiweisse.
- Die schleimproduzierenden Zellen bilden eine schützende Schleimschicht, die die Magenwand vor der aggressiven Säure schützt. Der pH-Wert des Magensafts liegt bei etwa 1–1,5. Dieser niedrige pH-Wert ist von besonderer Wichtigkeit, da all diese Vorgänge nur in diesem stark sauren Milieu funktionieren. Täglich werden etwa 3–4 Liter Magensaft gebildet. Die Sekretion dieses Magensafts wird durch Nervenimpulse und folgende Hormone reguliert:
- Gastrin: steigert die Produktion von Salzsäure durch die Belegzellen und fördert die Freisetzung von Pepsinogen.
- Histamin wirkt lokal und verstärkt die Säuresekretion der Belegzellen.
- Somatostatin: ist der Gegenspieler. Es hemmt die Freisetzung von Gastrin und damit indirekt die Säureproduktion.
- Sekretin (aus dem Dünndarm): hemmt die Magensäuresekretion, wenn saurer Speisebrei in den Dünndarm gelangt. Denn im Dünndarm wird es wieder basisch.
- Cholezystokinin: wirkt ebenfalls eher hemmend auf die Magenentleerung und -sekretion.
Zusätzlich spielt auch der Vagusnerv (parasympathisch) eine wichtige Rolle: Er fördert über Nervenimpulse die Ausschüttung von Gastrin und stimuliert direkt die Drüsenzellen.
Das Zwerchfell, der wichtigste Atemmuskel, unterstützt zusammen mit dem Sphinkter den Verschluss zwischen Speiseröhre und Magen. Dadurch trägt es dazu bei, den Rückfluss von Mageninhalt (Reflux) zu verhindern.
Reflux und Sodbrennen – ein Problem des Schliessmuskels, nicht der Säure
Dabei kommt Magensäure aus dem Magen zurück in die Speiseröhre, was von einer Reizung und Entzündung bis hin zu Geschwüren in der Speiseröhre führen kann. Hier liegt das Problem beim Schliessmuskel (Sphinkter) und nicht bei der Säure.
Die Frage ist, warum schliesst der Schliessmuskel nicht vollständig??
Der überwiegend hauptsächliche Grund liegt in der Ernährung und Lebensweise. In den letzten 30-40 Jahren hat sich bei vielen Menschen die Gewohnheit etabliert, die Hauptmahlzeit erst am Abend einzunehmen. Hinzu kommt das «Snacken» zwischendurch, nach dem Abendessen oder gar anstelle des Abendessens.
Aus Sicht der biologischen Rhythmen ist unser Körper darauf ausgerichtet, die Hauptnahrungsaufnahme während des Tages zu haben und am Abend eher leichte Mahlzeiten zu sich zu nehmen. Während des Schlafs benötigt der Körper keine zusätzliche Energiezufuhr durch Nahrung, sondern befindet sich in einer wichtigen Ruhe- und Regenerationsphase. Mindestens vier Stunden vor dem Schlafen sollten wir nichts mehr essen.
Was passiert, wenn wir am Abend viel essen?
Man sitzt ggf. noch im Sessel bzw. auf der Couch und geht anschliessend ins Bett. Der Mageninhalt kann dabei leichter gegen die Schwerkraft nach oben in Richtung des Schliessmuskels am Mageneingang (Sphinkter der Cardia) gelangen. Dabei handelt es sich um Sodbrennen bzw. Reflux, da Mageninhalt in die Speiseröhre zurückfliesst.
Jener Schliessmuskel liegt zwischen den Lungen, direkt oberhalb des Zwerchfells. Wenn die Bauchmuskeln und das Zwerchfell schwach sind, wird auch der Schliessmechanismus am Mageneingang schwach.
Von daher ist es bei solchen Symptomen von besonderer Wichtigkeit die Atmung (Nasenatmung) zu trainieren und die Rumpfmuskulatur täglich zu stärken. Ein wertvolles Training sind hier die Liegestütze. Neben der Stärkung des Bauch- und Zwerchfellmuskels wird bei diesem Training auch die Wirbelsäule gestärkt.
Mit Stress, Ängsten und Ärger (meist sogar noch unbewusst) kann sich die Situation verstärken.
Neben einer frühen, leichten Mahlzeit vor spätestens 19 Uhr und dem oben genannten Training sowie der bewussten Atmung kann sich diese Situation schon um ein Vielfaches bessern und bis hin zur Ausheilung führen.
Beim «Snacken» zwischendurch über den Tag, wie z. B. hier einen Keks, da ein paar Nüsse, dort ein Bonbon, ein paar Gummibärchen oder eine Reiswaffel – sei es noch so wenig – erschöpft unsere Enzymproduktion.
Hinzu kommt die Tatsache, dass viele Menschen während der Mahlzeiten bzw. kurz davor oder danach grössere Mengen trinken. Hierdurch wird die Salzsäure verwässert. Pepsin wird aber nur durch eine starke Salzsäure gebildet und somit wird auch das Pepsin reduziert.
Folge davon ist, dass das Eiweiss unvollständig im Magen vorverdaut wird. Es ist auch erwiesen, dass die Salzsäureproduktion im Alter abnimmt.
Ausserdem wurde herausgefunden, dass es nicht nur für den Magen, sondern für den gesamten Körper besser ist, innerhalb von 24 Stunden zweimal im Abstand von etwa sechs Stunden zu essen. Denn es dauert ca. 3,5–4 Stunden, bis eine Mahlzeit verdaut ist. Im Anschluss hat der Magen Zeit, neue Enzyme und Säfte für die nächste Verdauung vorzubereiten.
Der Mythos der Magensäure
- Wir müssen uns vor Augen führen, dass der Magen ein enorm fein abgestimmtes System mit zwei „Ventilen“ (Cardia und Pylorus) ist, die steuern, wann Mageninhalt ein- oder austritt.
- Der Magensaft kann im Laufe der Zeit weniger sauer werden. Das bedeutet einen höheren pH-Wert. Beeinflusst wird dieser Prozess durch Ernährung, Stress, Lebensstil und Alter.
Fazit: Nicht einfach „zu viel“ oder „zu wenig“ Säure, sondern das Zusammenspiel aus
Säurequalität, Funktion der „Ventile“ und Lebensweise sind entscheidend.
Vitamin B12 und Magensäure
Auch beim Vitamin B12 basiert vieles noch auf einer veralteten Hypothese, die weiterhin häufig übernommen wird.
B12 wird von Bakterien produziert und braucht den intrinsischen Faktor um aktiv zu sein. Dieser wird im Magen nur mit einer starken Magensäure gebildet und in den Dünndarm abgegeben, wo sich B12 an ihn bindet, um im letzten Abschnitt des Dünndarms (Ileum) aufgenommen zu werden. Wenn die Magensäure niedrig ist, dann ist auch der Intrinsic Factor niedrig.
Tiere haben B12, wenn sie auf Gras kauen und ggf. mit ihrem Mist in Berührung kamen. Aufgrund der heutzutage artfremden Haltung und Fütterung der Tiere, werden Mineral- und Vitamin-Mischungen grösstenteils standardmässig verabreicht. Auch Vitamin B12!
Eiweissverdauung: Warum mehr Protein nicht automatisch mehr bringt
Egal, von welchem Arzt, Ernährungsberater oder sonstigen «Fachpersonen» die Empfehlung kommt: In den vergangenen Jahren ist das Thema Proteine zum Schwerpunkt vieler Ernährungsempfehlungen geworden. Worüber jedoch kaum gesprochen und tatsächlich auch nicht nachgedacht wird, ist die Frage, ob der Körper das überhaupt verarbeiten kann.
Vereinfachte Erklärung der Eiweissverdauung
Die Verdauung von Proteinen (Eiweiss) erfolgt in mehreren Schritten:
Zunächst gelangt das Eiweiss über die Nahrung, beispielsweise aus Fleisch, Fisch oder Geflügel, in den Mund, wird dort gekaut und geschluckt. Im Magen beginnt die eigentliche Eiweissverdauung. Das Enzym Pepsin spaltet die Eiweissmoleküle erstmals in kleinere Bestandteile, sogenannte Polypeptide (Eiweissbruchstücke). Anschliessend gelangen diese in den Dünndarm. Dort werden sie durch Enzyme aus dem Dünndarm und der Bauchspeicheldrüse weiter zerlegt. Wichtige Enzyme sind dabei unter anderem Trypsin, Chymotrypsin und verschiedene Peptidasen.
Diese Enzyme spalten die nun entstandenen Polypeptide schrittweise in immer kleinere Einheiten:
- zuerst in kleinere Peptide
- dann in Di- und Tripeptide (bestehend aus 2–3 Aminosäuren)
- und schliesslich in einzelne Aminosäuren
Diese einzelnen Aminosäuren können anschliessend über die Dünndarmschleimhaut ins Blut aufgenommen und im Körper weiterverwendet werden.
Wo kommt dieses Protein her und was liefert es ansonsten noch mit?
Erstmals ist Eiweiss kein „leichter Snack“. Es braucht ein starkes Verdauungssystem, also starke Säfte, starke Magensäure. Der Spruch «man steht voll im Saft» kommt nicht von ungefähr. Und genau hier liegt der Denkfehler:
Mehr Eiweiss bringt nichts, wenn der Körper überfordert ist bzw. die Säure des Magensaftes zu schwach und nicht genügend Enzyme zur Verfügung stehen. Der wahre Engpass ist somit nicht die Menge an Eiweiss, sondern die Verdauungskraft die u.a. von Magensäure, Enzymen und Verdauungssäften abhängig ist.
Eiweiss ist wie alle Nähr- und Vitalstoffe wichtig für den Körper.
Gleichzeitig ist Eiweiss einer der anspruchsvollsten Nährstoffe für die Verdauung. Gerade deshalb lohnt es sich, die Zufuhr zu überdenken. Besonders in der aktuellen Zeit, in der ein Grossteil der Menschen ein eher geschwächtes Verdauungssystem hat.
Nochmals: In dem aktuellen Protein-Trend wird dieser entscheidende Punkt fast nie erwähnt oder schlicht vergessen: Die Verdauung und somit auch unser Magen bestimmen, was der Körper wirklich aufnehmen kann. Wenn dieses System gestört ist, wird Eiweiss im Magen nicht richtig aufgespalten. Dadurch gelangt es unvollständig verdaut in den Dünndarm, wo die Verdauung und Aufnahme eigentlich abgeschlossen werden sollten. Nun gelangen jene unverdauten Eiweisse in den Dickdarm, wo sie von Bakterien nur mangelhaft abgebaut werden.
Gärungs- und Fäulnisprozesse bleiben in dieser Situation nicht aus. Darmbakterien bilden Gase wie Wasserstoff, Methan und Schwefelverbindungen bis hin zu belastenden Stoffwechselprodukten wie Ammoniak und biogenen Aminen, die wiederum insbesondere die Leber belasten können.
Wir können also noch so eiweissreich essen. Wenn das Eiweiss nicht richtig verdaut wird, kann es nicht in Form seiner Bestandteile aufgenommen werden. Solange die Aminosäuren nicht aufgenommen werden, können sie dem Körper nicht zur Verfügung stehen. Einfacher für den Körper ist es, die Bausteine des Eiweisses – die Aminosäuren – direkt aufzunehmen. Diese benötigen keinen vergleichbaren Verdauungsaufwand und finden sich in der pflanzlichen Ernährung.
Helicobacter pylori – die verkürzte Sichtweise
Zuerst stellt sich die Frage: Warum kommt Helicobacter pylori überhaupt im Magen vor?
Der Magen ist innen mit einer schützenden Schleimhaut ausgekleidet. Diese Schleimhaut schützt die Magenwand vor der starken Magensäure.
Auch hier sind eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und Mineralstoffe wichtig, damit die Schleimhäute ihre Schutzfunktion erfüllen können. Wenn der Körper insgesamt zu wenig Flüssigkeit hat, können Schleimhäute trockener und empfindlicher werden. Ihr Schutzfunktion wird geschwächt.
Wenn diese Schutzmechanismen im Magen gestört sind, kann die Magensäure die Schleimhaut stärker reizen und es können Schäden entstehen. Dieser Zustand kann zu einer Entzündung der Magenschleimhaut führen und mit Magenschmerzen verbunden sein.
Wenn jemand über solche Beschwerden klagt, kann ein Atemtest durchgeführt werden, um Helicobacter pylori nachzuweisen. Wird das Bakterium gefunden, wird häufig eine Behandlung mit Antibiotika eingesetzt, mit dem Ziel, die Entzündung zu reduzieren und die Schleimhaut zu entlasten.
Der eigentliche Feind von Helicobacter pylori ist jedoch die Salzsäure. Es kann schon hilfreich sein, beim Essen nicht mehr zu trinken und erst 1–1,5 Stunden nach dem Essen wieder mit dem Trinken (Wasser oder Kräutertee) zu beginnen. Auch 1 Stunde vor dem Essen sollte auf das Trinken verzichtet werden. Ausgenommen davon sind notwendige Supplemente, die mit einem kleinen Schluck Wasser eingenommen werden können. Wird nun ausschliesslich zwischen den Mahlzeiten getrunken, kann die Salzsäure beim Essen freigesetzt werden, sobald wir anfangen zu essen.
Weitere Möglichkeiten die Salzsäure zu fördern sind Bitterstoffe oder auch Zitronensaft, Ingwer oder Kurkuma. Hier darf man für sich herausfinden was einem selbst am besten bekommt.
Die Salzsäure kann Helicobacter pylori auslöschen, sodass sich der Körper selbst heilen kann.
In der Praxis führt die Behandlung von Helicobacter pylori oft direkt zum Einsatz von Protonenpumpenhemmern. (Medikamente die die Produktion der Magensäure hemmen)
Bei einem über Jahre erschöpften Säure-Basen-Haushalt durch Stress, schnelles Essen, permanentes Zwischendurchessen oder auch spätes Essen kann es zu einer Erschöpfung der Belegzellen des Magens kommen. Diese mussten mit der Zeit immer wieder mit Natrium-Bikarbonat gegensteuern, um das Säure-Basen-Gleichgewicht aufrechtzuerhalten.
Vereinfacht erklärt, ist es vergleichbar mit dem Insulin der Bauchspeicheldrüse: Wenn man über Jahre viel Süsses und Schweres isst, steigt das Risiko, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln. Übertragen auf den Magen bedeutet dies, dass die Belegzellen nicht mehr ausreichend auf das Steuerhormon Gastrin reagieren. Es wird in diesem Zusammenhang von einer Gastrinresistenz gesprochen – vergleichbar mit der Insulinresistenz bei Typ-2-Diabetes. Dadurch wird weniger Salzsäure gebildet, wodurch die Verdauungskraft des Magens abnimmt. Dies kann unter anderem zu vermehrtem Aufstossen führen. Bei der Einnahme von Protonenpumpenhemmern, die die Salzsäureproduktion zusätzlich reduzieren, stellt sich die Frage, wie sich dies auf die Verdauung und mögliche Symptome wie Aufstossen auswirkt. Mit dieser Kaschierung wird dieses Problem im Darm weiter fortgesetzt.
Langfristig kann es nicht nur zu einem Mangel an Eiweiss oder Vitamin B12 kommen. Auch viele weitere Mineralstoffe und Nährstoffe sind auf ein ausreichend saures Milieu angewiesen, damit sie aus der Nahrung gelöst und aufgenommen werden können. Dazu gehören beispielsweise Eisen, Kalzium, Magnesium, Zink, Folsäure, Kupfer und Phosphor.
Wird die Aufnahme dieser Nährstoffe über längere Zeit beeinträchtigt, kann dies zu Mangelzuständen führen, die mit gesundheitlichen Problemen wie Osteoporose, Immunschwäche, Anämie, Kribbeln etc. in Verbindung stehen.
Der Magen aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin
Nachdem wir den Magen aus westlich-medizinischer Sicht betrachtet haben, werfen wir nun einen Blick auf die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), die den Magen aus einer ganzheitlich-funktionellen Perspektive beschreibt. Diese Sichtweise empfinde ich als sehr spannend und bereichernd, da sie den Magen in einen grösseren funktionellen Zusammenhang stellt und neue Denkansätze eröffnet. Im Gegensatz zur westlichen Medizin betrachtet die Traditionelle Chinesische Medizin den Magen nicht isoliert, sondern als Teil eines energetischen Netzwerks im Körper.
Dadurch steht er in enger Verbindung mit:
- der Milz (Umgang mit Gedanken und Grübeln)
- der Pankreas (Transformation und Verwertung von Nahrung in Lebenskraft)
- der Leber (Emotionen und Energiefluss)
- dem Herzen (geistige Ruhe)
- der Lunge (Verteilung der Energie im Körper)
In der TCM gilt die Milz seit Jahrhunderten als eines der wichtigsten Verdauungsorgane überhaupt.
Aus dieser Sicht beginnt unsere Verdauung im Zusammenspiel von Milz, Pankreas und Magen. Diese Organe übernehmen die Transformation unserer Nahrung: Sie extrahieren die Essenz aus dem Essen und wandeln sie in Energie und Blut um. Diese Nahrungsenergie nennt man Gu Qi. Der Magen wirkt dabei wie ein Kochtopf: Er empfängt die Nahrung und weicht sie ein. Die Milz wiederum ist das Feuer unter diesem Topf. Sie liefert die Kraft, damit Nahrung überhaupt „gekocht“, transformiert und verwertet werden kann.
Gemeinsam bilden Magen und Milz unsere persönliche Verdauungsküche.
Wenn das sogenannte Milz-Feuer stark genug ist, fühlen wir uns nach dem Essen angenehm energiegeladen. Die Verdauung funktioniert ruhig und regelmässig, der Stuhl ist geformt und der Körper kann Nährstoffe gut aufnehmen.
Wird dieses Feuer jedoch zu schwach, kann die Nahrung nicht mehr vollständig transformiert werden. Die Folge aus Sicht der TCM: Es entsteht „Feuchtigkeit“. Unverdaute Rückstände sammeln sich an. Körper und Geist werden schwer und träge.
Typische Zeichen einer Milz-Schwäche können sein:
- Müdigkeit nach dem Essen
- Blähungen und Völlegefühl
- weicher Stuhl oder Durchfall
- Heisshunger auf Süsses
- kalte Hände und Füsse
- ein aufgeblähter Bauch
Besonders spannend ist dabei die Frage: Was schwächt unser Milz-Feuer?
Aus Sicht der TCM vor allem:
- kalte und rohe Nahrung
- hastiges bis unbewusstes Essen
- zu viele Zutaten auf einmal
- Essen unter Stress
Ein kalter Smoothie am Morgen wirkt laut TCM etwa so, als würde man immer wieder Wasser auf ein Lagerfeuer giessen. Die Milz liebt Wärme, Ruhe und Regelmässigkeit. Deshalb beginnt die Stärkung der Mitte oft mit einfachen Dingen: warm frühstücken, langsam essen, gut kauen, ohne Ablenkung essen und nach der Mahlzeit noch einen Moment sitzen bleiben und nachsinnen.
Auch die Organuhr der TCM zeigt, wie wichtig Rhythmus für unsere Verdauung ist. Der Körper spricht ständig mit uns. Verdauungsprobleme, Müdigkeit oder Schmerzen sind oft keine Zufälle, sondern Hinweise darauf, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. Oft ist der Grund für einen Mangel, wie z. B. am Verdauungsfeuer, unter anderem auch ein Mangel an Vitalstoffen mit Auswirkungen auf Energie und Wohlbefinden, Knochen, Verdauung, Nerven- und Immunsystem.
Fazit: Rhythmus, Ruhe und Verständnis statt Symptombekämpfung
Am Ende geht es nicht darum, einzelne Symptome isoliert zu betrachten, sondern die Zusammenhänge zu verstehen. Magen, Darm, Nährstoffaufnahme, Lebensweise und auch unsere innere Verfassung stehen in enger Verbindung miteinander. Oft sind es nicht die grossen Veränderungen, sondern bewussteres Essen, mehr Rhythmus und ein besseres Verständnis der eigenen Körpersignale, die den ersten Schritt zu mehr Wohlbefinden ermöglichen.
Mit freundlichen Grüssen
Sonja Bacus
Ernährungs- und Vitalstoffberaterin


